Komplexes Cannabis - Terpene, Terpenoide, Flavonoide

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KOMPLEXES CANNABIS

Die Menschen verwenden aromatische Pflanzen als Bestandteil ihrer Medizin bereits seit Jahrtausenden. Extrakte aus aromatischen Pflanzen sind die Basis für Aromatherapie und werden kommerziell und industriell für die Aromatisierung von Lebensmitteln oder als aromatische Lösungsmittel eingesetzt, neben vielfältigen anderen Anwendungen. Das Aroma dieser ätherischen Öle wird durch instabile Bestandteile bereitgestellt, die Terpene, Terpenoide und Flavonoide genannt werden.

Die psychoaktiven Effekte von THC sind gut belegt, wie auch die therapeutischen Effekte von CBD und CBN. Die Reaktion des menschlichen Körpers auf Cannabis ist nicht allein der Familie der Cannabinoide zuzuschreiben. Untersuchungen über die Effekte von Marihuana sind kurzsichtig, wenn sie sich nur auf die cannabinoiden Bestandteile fokussieren.

Terpene, Terpenoide und Flavonoide spielen eine wichtige Rolle im Lebenszyklus und für den Endgebrauch der Cannabispflanze. Sie schützen die Pflanze während des Wachstums und haben zudem stimulierende oder therapeutische Effekte für den Menschen. Die polyfunktionelle Cannabispflanze ist ein synergistisches Treibaus aus komplexen Harzen, also viel mehr als nur das THC alleine.

Eine schnelle Google-Suche wird etliche verschiedene Marihuanasorten ergeben. Jede mit einer charakteristischen Erscheinung, psychoaktiven und therapeutischen Eigenschaften, die eine Pflanze von der anderen hervorhebt. Hier stellen wir einige Informationen zur Verfügung, warum dem so ist.

WAS SIND FLAVONOIDE

Flavonoide sind eine vielfältige Familie von Phytochemikalien, die für die Farbe von Früchten und Gemüse sorgen. Sie bewirken die rote Farbe in Äpfeln, das Blau in Heidelbeeren oder das Violett in Purple Urkle. Flavonoide gehören zu der Polyphenol-Gruppe von Phytonutrienten.

Es gibt über 6000 Flavonoide in der Pflanzenwelt und sie wurden in der Ayurvedischen Medizin seit Jahrtausenden eingesetzt. Es gibt eine Vielzahl an Gruppen und Subgruppen der Flavonoide und Marihuana enthält spezifische Flavonoide, die auch Cannaflavine genannt werden.

Wie viele andere Flavonoide, sind auch Cannaflavine pharmakologisch aktiv. Cannaflavin A wirkt entzündungshemmend und ist 30-mal effektiver als Aspirin.

So wie sich das Cannabisverbot langsam auf globalem Niveau auflöst, wird mehr Forschung an anderen Cannaflavinen betrieben und zwar in der Hoffnung, neue Vektoren für die Behandlung von Krebs, Autoimmunkrankheiten und Schmerzen zu finden.

WAS SIND TERPENE UND TERPENOIDE

Terpene sind flüchtige organische Verbindungen, die man in ätherischen Ölen von Pflanzen finden kann. In erster Linie sind sie verantwortlich für den Geruch; man kann sie in Cannabis, schwitzigen Socken und an Hühnerhaut finden. Terpene und Terpenoide gehören zu einer großen Familie von ungesättigten Kohlenwasserstoffen. Cannabis enthält über zweihundert Terpene und es werden mit zunehmender Forschung immer mehr gefunden.

Man vermutet, dass Terpene eine Vielzahl an biologischen Funktionen für die Cannabispflanze übernehmen. Zusammen mit den Cannabinoiden fungieren sie als Schutz gegen Austrocknung, haben fungizide Eigenschaften, wirken als Tier- und Insektabwehr und sind außerdem antibiotisch. Sie werden im Überflüss in den Harzdrüsen und Zellwänden der Cannabisblüten gebildet. Die Konzentration von Terpenen kann durch die Anbaubedingungen, Lichtintensität und Nährstoffverfügbarkeit zum Guten oder Schlechten beeinflusst werden.

Feine Kombinationen dieser aromatischen Chemikalien erreichen mehrere Dinge. Sie geben Cannabis das weite Spektrum der attraktiven Aromen, die wir über so viele Sorten hinweg genießen dürfen. Oft wirken Terpene selbst als psychoaktive Substanzen und modifizieren die Effekte der Cannabinoide und geben der Erfahrung bestimmte Nuancen.

Terpene sind für ihre therapeutischen Eigenschaften bekannt. D-Limonen, zu finden in Cannabis, ist ein angstlösendes Mittel und hilft wirksam gegen Migräne. Isovaleriansäure, die häufig in Cheese-Sorten zu finden ist, wirkt krampflösend, einschläfernd und hat ein angenehmes Aroma, das auf das Gehirn ähnlich wie ein Pheromon wirkt.

Terpene sind im Grunde genommen Kohlenwasserstoffe, das bedeutet, sie bestehen nur aus Kohlenstoff und Wasserstoff, während Terpenoide zusätzlich funktionale Gruppen besitzen. Terpenoide sind Terpene, die durch Oxidation denaturiert sind, was beim Trocknen und bei Fermentierung geschieht.

DER ENTOURAGE EFFEKT

Manches Cannabis kann zu "Couch-Lock" führen, mit dem Gefühl von kiloschweren Augenlidern und Körperteilen. Manche Sorten bewirken ein sich erhebendes, kreatives High und verlangen physische Aktivität, während andere Sorten wache Traumzustände mit schamanistischen Zügen bewirken. Hier wirkt oftmals der Entourage Effekt.

Komplexe Kombinationen aus Flavonoiden, Terpenen, Terpenoiden und Cannabinoiden (wie auch aus Phenolen, Aminosäuren, Glykoproteinen und Zuckerarten) verleihen dem Cannabis die außerordentliche Bandbreite an Eigenschaften. Ist Dir jemals aufgefallen, dass manche Sorten mit niedrigerem THC Gehalt Dich doppelt so high machen? Oder dass bestimte Sorten gut bei Arthritits helfen, während andere angstlösend wirken? Das entsteht oft durch andere Bestandteile, die an bestimmten Rezeptoren im Gehirn binden.

Sowohl für den therapeutischen, als auch für den freizeitmäßigen Konsum, spielt eine Unzahl an sekundären Systemen mit unseren neuronalen Rezeptoren eine Rolle dabei, die komplexen und einzigartigen Erfahrungen zu erzeugen, die sich von Sorte zu Sorte unterscheiden. Manche Terpene reduzieren den Fluss von THC durch die Blut-Hirn-Schranke, manche erhöhen diesen oder andere vergrößern den Effekt von CBD.

Um etwas Überblick darüber zu verschaffen, warum verschiedene Sorten von Cannabis für den freizeitmäßigen oder therapeutischen Nutzer unterschiedliche Wirkungen entfalten, ist hier eine Liste aller Terpene, von denen Du gehört haben solltest.

Der chemische Grundstoff Geranylpyrophosphat formt sich in den harzproduzierenden Drüsen von unbefruchteten, weiblichen Cannabisblüten. Wenn die Pflanze altert und mehr Licht ausgesetzt wird, wird diese plastische Chemikalie verwendet, um eine bunte Mischung an nützlichen Inhaltsstoffen herzustellen.

GERANIOL

Geraniol ist ein fundamentales Terpen für die Gerüche der meisten Blumen. Es ist die Substanz, die Rosen und Geranien ihren süßen Duft verleiht. Als Liebling von Parfumeuren wird es oft in Seifen verwendet und ist ein äußerst effektives Anti-Mückenmittel. Aus medizinischer Sicht ist Geraniol ein vielversprechendes neuropathisches Mittel.

PINEN

Pinene sind bicyclische Monoterpen-Kohlenwasserstoffe. Sie sind die in der Natur mit am weitesten verbreiteten Terpene und existieren in 3 Formen: α-Pinen, β-Pinen und δ-Pinen. Wie der Name schon vermuten lässt, sind sie der Grund für das typische Aroma von etlichen Kiefernsorten und der meisten Nadelbäume. Außerdem spielen sie eine wichtige Rolle für den Duft balsamischer Harze, mancher Zitrusfrüchte und Kiefernhölzer und sind zudem der Hauptbestandteil von Terpentin.

Pinene können als Antagonist wirken und die Effekte von THC somit mildern. Therapeutisch wird es als entzündungshemmendes Mittel, Bronchodilatator und Schleimlöser eingesetzt.

LIMONEN

Limonen ist ein monocyclisches Monoterpen und wird in der Cannabispflanze durch die Synthese von Pinen gebildet. Es bewirkt einen starken Zitrusduft und man kennt diesen von Zitronen, Limetten und Orangen. Außerdem ist es eines der Hauptbestandteile von Rosmarin, Wacholder und Pfefferminz.

Limonen wird vom Körper sehr einfach aufgenommen und in den Blutkreislauf eingeschleust, idealerweise durch Inhalation. Derzeit laufen klinische Studien über die Wirksamkeit von Limonen als Mittel gegen Krebsvorstufen und in der Behandlung von Angst.

MYRCEN

Myrcen ist ein Monoterpen, das überwiegend von Marihuana produziert wird. Einige Sorten haben bis zu 60% Myrcen. Es führt zu moschusartigen und erdigen Geruchstönen, ähnlich wie Nelken und Sternanis und gibt Hopfen, Loorbeerblättern und Thymian ihren wärmenden Duft.

Myrcen wirkt stark schmerzlindernd, entzündungshemmend und ist zum größten Teil für die betäubende Wirkung von Nelkenöl bei Zahnschmerzen verantwortlich. Myrcen reduziert den Widerstand der Blut-Hirn-Schranke und erleichtert auch anderen chemischen Substanzen das einfache Queren der Schranke. Myrcen erhöht die THC Sättigung von Cannabinoid-Rezeptoren. Durch ihren Myrcen-Gehalt verstärkt der Verzehr von Mangos das "High" von Cannabis.

CARYOPHYLLENE

Caryophyllene sind Sesquiterpene, die in schwarzem Pfeffer, Zimtblättern, Lavendel und Nelken enthalten sind und ihnen die spezifischen würzigen und hölzernen Töne verleihen. Es ist als einziges Terpen bekannt, das mit dem Endocannabinoid-System interagiert, genauer mit dem CB2-Rezeptor. Dies ist vielversprechend als nicht-psychoaktive, voll funktionale und entzündungshemmende Behandlungsmethode bei chronischen Schmerzen, Angst und Depression.

LINALOOL

Linalool ist ein monocyclisches Monoterpen, das den einzigartigen und langanhaltenden Duft von Lavendel und Minze, sowie vieler anderer Pflanzen bewirkt. Lavendelsäckchen unter dem Kissen wirken einschläfernd und werden schon seit Jahrhunderten benutzt. Linalool ist der Liebling von Seifen- und Parfümherstellern. Es ist das Linalool, das Mücken und Flöhe vom Haus fernhält, wenn drum herum Lavendel angebaut wird.

Linalool lindert ängstliche Emotionen, die durch pures THC ausgelöst werden und ist bekannt dafür, dass Immunsystem zu stärken. Studien zufolge erhöht Linalool die kognitive Leistungsfähigkeit und kann Entzündungen der Lunge vorbeugen, die durch Karzinogene wie Zigaretten ausgelöst werden können.

CAMPHEN

Camphen ist ein sehr scharfes Monoterpen, dass an neblige Tannenwälder und verfaulte Hölzer erinnert. Es ist ein kleiner Bestandteil in einer Reihe ätherischer Öle wie Ingwer-Öl, Kampher, Zitronella-Ölen und Terpentinen.

Camphen wird verwendet, um den Cholesterinspiegel zu senken und scheint eine wichtige Rolle bei der Kontrolle kardiovaskulärer Erkrankungen zu spielen. Eine nicht pharmakologische Alternative, die keine Magen-Darm-Probleme oder Leberschäden verursacht.

HUMULEN

Humulen ist ein Sesquiterpen, das man häufig in Cannabis sativa Sorten findet und eine wichtige Rolle für den Duft von vietnamesischem Koriander und Hopfen spielt, die enge Verwandte von Marihuana sind. Humulen wird bis heute in der traditionellen chinesischen Medizin als Appetitzügler verwendet.

In der modernen Medizin wird Humulen als äußerst effektives Mittel gegen Tumore gesehen, außerdem wirkt es antibakteriell und entzündungshemmend.

ÄTHERISCHE ÖLE SIND WICHTIG

Ein hoher Gehalt an THC oder CBD ist nicht länger das einzige Kriterium, um Cannabis zu kategorisieren. Die nuancenreiche Mischung aus flüchtigen ätherischen Ölen und Cannabinoiden, Terpenen und Flavonoiden ist ähnlich wichtig.

Die synergetische Wirkung dieser sich ergänzenden Bestandteile kann die Art und Weise modifizieren, mit der das Gehirn und der Körper psychoaktive und therapeutische Inhaltsstoffe absorbiert, transportiert, verfügbar macht und verteilt. Mit der zunehmenden fortschrittlichen Bewegung weg von der Prohibition in Richtung hin zu Reformen und zur Legalisierung (Der Krieg gegen die Drogen war verloren, bevor er überhaupt begonnen hatte), erlangt auch die Wissenschaft mehr Freiheiten, um die nützlichen Eigenschaften der Cannabispflanze zu erforschen.

Es ist nun genauso wichtig, die Fähigkeiten zu entwickeln, die Aromen und Zusammensetzungen der ätherischen Öle von Marihuana identifizieren zu können. Jedenfalls wenn man genau das haben möchte, was man will.


Cibdol